Chiapas

Von Yucatán reisen wir in den Staat Chiapas, der «anders» sein soll…

Auf nach Chiapas - Über eine schnurgerade Strasse fahren wir quer durch Yucatán. Büsche links und rechts versperren die Sicht und machen das Fahren eintönig. Immerhin kommen wir gut voran. Ein Bananenstopp, ein kostspieliges Mittagessen (jaja, immer erst nach dem Preis fragen!) und wir sind für ganz kurze Zeit im Bundesstaat Tabasco. Etwas mehr, als eine Brücke lang. Eine schlechte Strasse und ein alkohollastiges Reiterfest heissen uns in Chiapas willkommen. Palenque ist unser erster Stopp.
Männerrunde Mexikanisches Cowgirl

Ruinen im Dschungel - Wir lassen es langsam angehen in Palenque und geniessen erstmal den schönen Campingplatz und vorallem - den Pool!
Morgens um acht erkunden wir am übernächsten Tag noch etwas verschlafen die Unesco Weltkulturerbe - Anlage. Wieder ärgern wir uns über die Öffnungszeiten. Denn, die Ruinen Mexiko’s lassen sich nur von 8.00 bis 17.00 besuchen. Angenehmere Temperaturen und das beste Fotolicht bleiben dem Besucher also leider verwehrt. Man nehme sich ein Beispiel an Asien, wo viele Sehenswürdigkeiten ab 6.00 und bis weit nach Sonnenuntergang geöffnet sind!
Auf dem 15 km² grossen Areal lassen sich zahlreiche Gebäude der Maya-Architektur entdecken. Alles, was zu sehen ist, wurde ohne die Verwendung von Werkzeugen, Packtieren oder Rädern erbaut. Dafür mit viel Schweiss und Muskelkraft. Eine Tatsache, die wir uns immer wieder vor Augen halten, wenn wir denken «nur» Steinhäufen zu sehen. Doch hier besteht die Gefahr nicht. Nahezu alle Gebäude wurden mit feinen und detailreichen Stuckreliefs verziert, sowohl im Inneren als auch an den Aussenwänden. Ebenso typisch für Palenque ist das häufige Auftreten von Nischen sowie die Dachkämme vieler Bauten, weshalb die Architektur der Ruinen von Palenque als besonders anmutig gilt. Die steilen Treppen führen in den Himmel, der Blick von oben über die Urwaldhügel ist atemberaubend. Die Schreie der Brüllaffen und auch die schwüle Hitze tragen zum Abenteuer Palenque bei.
noch sind wir alleine morgens um acht der Ausblick von oben steile Stufen auf ein Streifzug durch die Anlage Fenster in Grüne Farbkleks kleine Details eingebettet in die Natur Dschungel-Hängebrücke erfrischendes Nass Erfrischung!

Kleiner Schreckensmoment - Erholt sind wir bereit für neue Abenteuer - und diese sollen bald folgen. Kurve um Kurve schlängeln wir uns über die schmale Bergstrasse Richtung «Agua Azul». Die Augen nicht abwendend können, von dem satten Grün, den steilen, bewirtschafteten Berghängen und den winzigen Dörfern dazwischen. Damit es nicht zu perfekt ist und wir beim Fahren bei der Sache sein müssen, dafür sorgen wieder einmal die unzähligen Topes.
Irgendwann geht’s aber gar nicht mehr weiter. Der Verkehr staut sich vor uns, einen Grund können wir vorerst nicht erkennen. Aufdringliche Verkäuferinnen sind nicht so scheu-charmant wie sonst, sondern eher wild entschlossen und machen auch vor halbgeschlossener Autoscheiben nicht halt. Langsam glauben wir das Spiel zu kennen, das hier gespielt wird. Vorsorglich räumen wir Kameras und andere Wertgegenstände weg und bestücken unser Portemonnaie mit kleinen Noten. Zum Glück!
Wenig später finden wir uns nämlich inmitten einer Meute wieder. Aufgebrachte Männer jeden Alters, die «ihre» Strasse nur nach Bezahlung freigeben.

Die Zapatisten Am 1.April 1994, dem Tag des Inkrafttretens des nordamerikanischen Freihandelsabkommen, tauchte aus den Wäldern eine bis anhin unbekannte, linksgerichtete Guerillaarmee auf. Sie besetzten San Christóbal de Las Casas und andere Städte in Chiapas. Das Ziel der «Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung» (EZLN) war es, die seit Jahrhunderten bestehende Oligarchie zu stürzen und den dürftigen Lebensstandard der indigenen Bevölkerung in Mexiko zu verbessern. Die Armee vertrieb die Zapatisten in nur wenigen Tagen und diese zogen sich an den Rand des Lacandon-Urwalds zurück. Von dort aus begannen sie, hauptsächlich per Internet, einen Propagandakrieg zu führen. «Subcomandante Marcos» (ein ehemaliger Uniprofessor) wurde schnell zur Kultfigur. Auch ausserhalb Mexikos fanden sich Anhänger, welche ins Hauptquartier bei La Realidad strömten. Bauern, die der Bewegung angehörten nahmen hunderte Bauernhöfe in Chiapas ein.
1996 trafen Unterhändler der Zapatisten und die mexikanische Regierung Vereinbarungen über die Rechte und Autonomie der indigenen Bevölkerung. Die regierende Partei PRI hat diese Vereinbarungen jedoch nie anerkannt, so dass die Spannungen 97/98 eskalierten. Eine mit der PRI verbundene paramilitärische Gruppe tötete im Dorf Acteal 45 Menschen. Ein Jahr später flohen 21 000 Dorfbewohner aus ihren Häusern, nachdem die mexikanische Armee mit ihrer Kampagne zur Einschüchterung begonnen hatte. Unter Präsident Vicente Fox scheiterten zwei Versuche zu Friedensgesprächen. Die Zapatisten, die sich nach dem Volkshelden Emilio Zapata nennen, lehnten weitere Gespräche ab und konzentrierten sich darauf ihre Revolution und Autonomie in den Dörfern im Hochland Chiapas zu festigen.
2003 gründete die Zapatisten-Führung fünf regionale «Komitees der Guten Regierung» in Dörfern und baute dort auch Schulen und Krankhäuser. Der Einfluss ausserhalb der Enklaven beginnt aufgrund unterschiedlicher Ansichten und zu viel Bürokratie zu schwinden. Worauf sich Marcos dazu veranlasst sah, eine Motorradtour durch alle Staaten Mexikos zu unternehmen und die verschiedenen linksgerichteten Organisationen zu einen. Viele Beobachter sind der Meinung, dass diese Aktion nur wenig Schwung in die Sache brachte und vielleicht auch dazu diente dem schwindenden Promistatus Marcos’ etwas nachzuhelfen. Seit dieser Zeit verhält sich der EZLN relativ ruhig - abgesehen von gelegentlichen Strassenblockaden.
Das Konzept des Ökotourismus in Chiapas lehnen die Zapatisten ab. Für sie sind der Ausbau von Strassen im «Biosfera Montes Azules» ein Widerspruch zum erklärten Ziel den Regenwald zu schützen. Ausserdem sind sie der Ansicht, dies sei ein nichtmilitärisches Mittel, um in die autonomen Zapatisten Gemeinden einzudringen.
Mehr: chiapas.indymedia.org

Mittendrin - Wir sind eingekesselt. Vor uns Nagelbrett und Baumstämme, um uns Männer und ein mittleres Verkehrschaos. Wir beobachten wer wieviel bezahlt und stellen ernüchtert fest, dass ALLE (auch alle Minibusse, Reisecars, Einheimischen und Taxis) bezahlen. Immerhin können wir den geforderten Betrag durch das Zeigen des fast leeren Geldbeutels noch etwas senken. Dennoch ärgern uns grün und blau - denn, nach wenigen Metern wiederholt sich das Spiel.
Natürlich wollen wir nicht bezahlen und können uns ausmalen, welche Dimensionen diese Blockaden annehmen, wenn das Geld fliesst. Aber, für uns, in dieser Situation, gibt es keine andere Möglichkeit. Die Akteure herauszufordern und so vielleicht ein demoliertes Auto zu riskieren, erscheint uns jedenfalls nicht erstrebenswert.

Verzwickte Situation - «Agua Azul», das türkisfarbene Wasser, lassen wir definitiv aus, denn beim Abzweiger befindet sich die dritte Sperre. Die Gegend jetzt mit etwas anderen Augen sehend fahren wir weiter.
Die «indigenas», wurden und werden als Bürger zweiter Klasse behandelt und das ihnen zugesprochenen Gebiet ist mühsam zu bewirtschaften. Ihr Unmut ist verständlich, aber, dass dies der richtige Weg ist mögen wir bezweifeln. Stopps jedenfalls legen wir keine mehr ein und haben auch keine Lust vom reichhaltigen Angebot entlang der Strasse zu profitieren. Protestschilder erkennen wir nun an jeder Ecke.
Als wir kurz nach der Blockade einen Polizisten auf die Situation etwas weiter südlich ansprechen, zeigt er ehrliches Verständnis für unseren Unmut. Klagt aber, dass sie einfach zu wenig Personal hätten, um die Situation in den Griff zu bekommen. Wir glauben ihm, schmunzeln aber, als wir fünf Minuten später zehn dicke Polizisten beim gemütlichen Mittagessen sehen…
auf dem Weg nach San Cristobal Agua Azul

Viel «Gfreuts» - Nach über sechs Stunden (für knapp 220km) erreichen San Cristóbal de las Casas. Das geschlossene Tor der «Rancho San Nicolas» öffnet sich und wir erspähen sogleich ganz viel Erfreuliches!
1. Der rote Toyota von Veronika und Michael 2. Der VW-Bus von Claudia und Martin 3. Ganz viele andere Fahrzeuge von Reisenden und 4. Ein schön angelegter Platz unter Bäumen.
Nach dem grossen «Hallo» ziehen wir uns alle in den Aufenthaltsraum mit Cheminée zurück und der Abend nimmt seinen Lauf.
Vielen lieben Dank, Veronika und Michael, dass ihr auf uns gewartet habt!
Arbeitsplatz in der Sonne Nino, Zora und Lenny... und viel mehr

Lieblingsort - Auf den zweiten Blick lassen sich noch mehr Pluspunkte entdecken und der harzige Start ist schon fast vergessen: die Duschen sind heiss, das Klima äusserst angenehm (Die Nächte auf 2000 Metern sind kühl, die Sonne tagsüber aber frühlingshaft warm und die Luft ist soo frisch. Und wir freuen uns, wieder einmal mit Decke zu schlafen), morgens kommt die Marktfrau direkt zu uns und verkauft uns ihr Gemüse. Das schöne Städtchen (mit verkehrsfreier Fussgängerzone!) ist zu Fuss zu erreichen. Interessante Gespräche mit anderen Reisenden, darunter eine Familie aus Südamerika, Schmuckverkäufer aus Argentinien, eine deutsche Familie mit zwei kleinen Kindern, Vater und Tochter in unserem Alter aus Belgien uswuswusw… bereichern unsere Tage und so bleiben wir eine ganze Woche.
Wir schlendern über den quirligen Markt. Entdecken Lieblingscafés. Einen französischen Bäcker. Einen wunderbaren Aussichtsort.
Um San Christobal de las Casas leben verschiedene Völker, die sich nicht nur in Sprache, sondern auch in der Kleidung unterscheiden. Ein Fest für die Augen! Wie auch das bunte Kunsthandwerk, das feilgeboten wird - und dem wir nicht immer wiederstehen können.
Wir feiern beim Pastaschmaus einen Geburtstag und werden von Martin bekocht (vielen Dank Martin und bis bald hoffentlich!), wir faulenzen ganze Tag in der Sonne und kommen fast nicht mehr weg hier, denn ja, es ist ein Lieblingsort. Doch irgendwann locken uns neue Erlebnisse…
Strassenszene, San Cristobal San Cristobal, Mexico Handwerkersmarkt vor der Kirche ganz in die Arbeit vertieft... Strassenverkäuferinnen Krabbelzeugs das Angebot: bunt! ein Schwatz... Lieblingskaffee; Carajillo die Fussgängerzone zum Flanieren Lieblingscafé Ballone werden vorallem am Wochenende verkauft die nahen Berge sorgen für ein äusserst angenehmes Klima Blumensträusse haben andere Dimensionen hier ein Lieblingsplatz da oben auf dem «Heimweg»

Blick aus dem Fenster - Auf der Mex 190 geht’s wieder über Berg und Tal. In Richtung Norden. Entlang der Strasse erspähen wir prachtvoll gekleidete Frauen in bodenlangen Röcken, bestickten Blusen und breiten Taillengürteln. Mehrheitlich in Violett-Tönen. Meist wenden sie den Blick aber ab oder entschwinden in den geschützten Raum ihrer Häuser. Hunde in allen Formen und Grössen trotten entlang der Strasse und machen den Weg nur ungern frei. Immer wieder ist die Luft raucherfüllt, Brandrodung ist weitverbreitet Männer mit Hut und Machete holen Brennholz aus den entlegensten Winkeln. Frauen schleppen die schweren Bündel auf dem Rücken nach Hause. Es ist ein arbeitsintensives, hartes Leben hier oben.
Wir fahren mitten durch Tuxtla Gutierrez, eine mittelgrosse Stadt, in der ein jeder unterwegs zu sein scheint. Ohrenbetäubende Musik dröhnt aus Kleiderläden, Süssigkeiten, Obst und allerlei Krimskrams wechseln den Besitzer.

Bunte Gesellen - Wir machen einen kleinen Abstecher, um unsere Blicke in den «Canyon del Sumidero» schweifen zu lassen. Gewaltige Dimensionen sind das und die Tourboote weit unten erscheinen winzigklein. Es muss eindrücklich sein, den Felswänden entlang hoch zu schauen.
Über eine staubige Piste, mitten durch Häuseransammlungen, nähern wir uns unserem eigentlichen Ziel, dem «Sima de las Cotorras». Ein fast kreisrunder Karsttrichter, inmitten des Dschungels ist die Heimat von bunten Vögeln. Den «Cotorras», den blaugrünen Papageien.
Frühmorgens erwachen wir nach einer lautlosen Nacht vom wilden Geschnatter. Wir sind sofort hellwach und bringen die paar Schritte zum Kraterrand schnell hinter uns. Nur ja nicht zu spät wollen wir sein. Angestrengt starren wir in die Tiefe und mustern nicht einmal die orange Sonne, die gerade über den Horizont klettert. Nach ein paar Minuten ist es soweit. Die ersten Papageien beginnen ihre Nester zu verlassen und in strudelartigen Bewegungen aus dem Loch herauszufliegen. Immer mehr Tiere folgen ihnen lautstark. Ein eindrückliches Spektakel!
weit weit unten Cañon del Sumidero Frühlingszauber las Cotorras ein Schwätzchen Flug in der Morgensonne Fast kreisrund das Loch Frühlingszauber II der Tag erwacht Frühlingszauber III bunter Geselle... ...und noch einer die Strasse muss wieder mal geteilt werden! Frühlingszauber IV

Ein Blick zurück - Chiapas war wirklich anders, als die zuvor gesehenen Staaten. Landschaftlich eine Augenweide, kulturell vielfältiger, traditioneller auch. Besonders willkommen fühlten wir uns, mit ein paar Ausnahmen, aber eher nicht. Wir empfanden die Menschen als sehr zurückhaltend und skeptisch (was Aufgrund ihrer Geschichte teilweise ja auch nachvollziehbar ist). Es sei denn, wir erfüllen unsere Touristenrolle und bringen unser Geld unter die Leute…

Ein Blick nach vorn - Wir reisen noch ein wenig entgegen unserer allgemeinen Reiserichtung. Oaxaca, allein schon der Klang gefällt. Mal sehen, was es dort noch für uns zu entdecken gibt…
Baldbald!

Rene Mehmann

2015-04-20 08:31:44

Hallo Mexikaner Ja die politische Situation in Chappas ist seit Jahrzehnten heikel. Nur gut, dass ihr gut durch diesen Staat gekommen seid. Bericht und Fotos sind einzigartig. Herzlichen Dank für die umsichtige Berichterstattung. Ich freue mich jedes Mal über Eure Berichte. Ich habe mich gefragt, wieviel Sabine eigentlich mit Zora fährt. Bei 6 Stunden Fahrzeit müsst Ihr Euch sicher regelmässig abwechseln. Weiterhin fröhliches Reisen wünscht Rene Mehmann/Papi

Sabine

2015-04-24 23:27:37

Hol Papi, lieben Dank für dein Mitlesen- und schauen:)
Andy fährt schon mehr, als ich. Aber bei den 6 Stunden haben wir uns abgewechselt.

Bis bald!

Yvonne Hirsbrunner (Schwester von Eveline Herren

2015-04-28 17:39:10

Hallo ihr Weltenbummler
Vielleicht magst du Sabine dich noch an mich erinnern aus der Chrüzweg Siedlung!du hast sogar Alina meine Tochter gehütet und ihr auch einen süssen Sandfrosch in der Hanzgi genäht ,hi hi!! Ich habe eure Seite von Eveline erhalten und bin total begeistert eure superschönen Bilder und Berichte anzuschauen. Wow da erlebt ihr ja eine spannende Zeit in eurem Leben. Ich wünsche euch noch weiterhin die Muse die wunderbare und vielfältige Welt zu entdecken und Güsse euch herzlichst aus der momentanen nassen Schweiz(Meilen) Yvonne Hirsbrunner


Name *

Email

Website

deine Mitteilung *